Der Kauf einer neuen Immobilie ist oft ein Wettlauf gegen die Zeit. Besonders herausfordernd wird es, wenn du dein Traumhaus bereits gefunden hast, dein Kapital aber noch in deiner aktuellen Eigentumswohnung oder deinem alten Eigenheim feststeckt. Genau hier kommt die Zwischenfinanzierung ins Spiel.

Diese spezielle Form des Kredits dient als finanzielle Brücke, um Liquiditätsengpässe beim Immobilienwechsel oder aber auch bei Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden. Doch wie funktioniert dieser Mechanismus genau? Welche Kosten und Zinsen kommen auf dich zu, und wo lauern die Risiken? In diesem Ratgeber erfährst du alles über den Ablauf, die Voraussetzungen und erhältst ein transparentes Rechenbeispiel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Zwischenfinanzierung überbrückt kurzfristig die Zeitspanne zwischen dem Kauf einer neuen Immobilie und dem Verkauf einer bestehenden.
  • Die Laufzeit ist in Österreich meist auf maximal 24 Monate begrenzt.
  • Während der Laufzeit zahlst du in der Regel nur die Zinsen, während die Tilgung am Ende in einer Summe aus dem Verkaufserlös erfolgt.
  • Banken setzen zur Sicherheit oft Risikoabschläge von 20 bis 40 % auf den geschätzten Marktwert deiner alten Immobilie an.

Was ist eine Zwischenfinanzierung?

Eine Zwischenfinanzierung, oft auch als Überbrückungskredit, Brückenfinanzierung oder im englischen Sprachraum als Bridge Loan bezeichnet, ist ein kurzfristiges Darlehen. Es wird eingesetzt, um einen finanziellen Engpass für einen begrenzten Zeitraum zu überbrücken.

Das Prinzip ist simpel: Du benötigst zeitnah Kapital z. B. für den Kauf einer neuen Immobilie, erwartest aber in naher Zukunft einen größeren Geldeingang, meist aus dem Verkaufserlös deiner alten Immobilie. Die Bank streckt dir diese Summe vor, damit du sofort handlungsfähig bist. Sobald dein altes Objekt verkauft ist oder das erwartete Kapital eintrifft, löst du diesen Kredit in einer Summe wieder ab.

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Unterschied zwischen Zwischenfinanzierung, Endfinanzierung und Vorfinanzierung

In der Immobilienfinanzierung werden diese Begriffe häufig verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Funktionen haben. Entscheidend ist vor allem die Laufzeit des Kredits, die Art der Rückzahlung und der Zweck der Finanzierung.

  • Zwischenfinanzierung (Überbrückungsfinanzierung):
    Eine Zwischenfinanzierung ist ein kurzfristiger Kredit, der eine Finanzierungslücke überbrückt – zum Beispiel wenn eine neue Immobilie gekauft wird, bevor die bestehende verkauft ist. Während der Laufzeit – meist bis zu 24 Monate – wird in der Regel nur der Zins bezahlt (manche Banken auch ohne Zinszahlung), eine Tilgung erfolgt nicht. Die Rückzahlung des gesamten Kreditbetrags erfolgt am Ende der Laufzeit, meist aus dem Verkaufserlös der bisherigen Immobilie oder aus anderem frei werdendem Kapital.
  • Endfinanzierung (Immobilien- oder Hypothekarkredit):
    Die Endfinanzierung ist die klassische, langfristige Finanzierung einer Immobilie. Dabei wird ein Hypothekarkredit aufgenommen, der über viele Jahre – oft 20 bis 30 Jahre – zurückgezahlt wird. Die monatliche Rate besteht aus Zinsen und Tilgung, wodurch sich die Kreditschuld laufend reduziert.
  • Vorfinanzierung (typisch im Zusammenhang mit Bausparmodellen):
    Eine Vorfinanzierung kommt häufig bei Bausparfinanzierungen vor, wenn der Bausparvertrag noch nicht zuteilungsreif ist. In dieser Phase stellt die Bank einen Kredit zur Verfügung, der später durch das eigentliche Bauspardarlehen abgelöst wird. Während der Vorfinanzierung werden meist nur Zinsen bezahlt, bis der Bausparer die Finanzierung übernimmt.

Wann ist eine Zwischenfinanzierung sinnvoll?

Eine solche Finanzierungslösung ist immer dann ratsam, wenn Vermögen vorhanden, aber „illiquide“ (nicht flüssig) ist. Hier sind die drei häufigsten Szenarien:

Szenario 1: Immobilienwechsel (Kauf vor Verkauf)

Dies ist der Klassiker: Du wohnst im Eigentum in Wien, die Familie wächst, und du hast ein neues Haus in Schwechat gefunden. Der Verkäufer des neuen Objekts verlangt eine sofortige Kaufpreiszahlung. Dein aktuelles Haus ist jedoch noch nicht verkauft.

Ohne eine Überbrückung müsstest du deine alte Immobilie unter enormem Zeitdruck verkaufen, was oft zu deutlichen Abschlägen beim Verkaufspreis führt. Mit einem Zwischenkredit kaufst du in Ruhe das neue Objekt („Kauf vor Verkauf“) und kümmerst dich anschließend ohne Hast um die Veräußerung des Bestands.

Szenario 2: Fällige Lebensversicherungen oder Bausparverträge

Manchmal ist dein Eigenkapital theoretisch vorhanden, aber an Fristen gebunden. Eine fällige Lebensversicherung oder ein zuteilungsreifer Bausparvertrag werden vielleicht erst in einigen Wochen ausgezahlt. Um den Hauskauf nicht zu gefährden, überbrückst du diese Zwischenzeit finanziell.

Szenario 3: Verzögerte Fördermittelauszahlung

Bei Neubauten oder energetischen Sanierungen spielen staatliche Förderungen eine große Rolle. Kommt es hier zu bürokratischen Verzögerungen bei der Fördermittelauszahlung, kann eine kurzfristige Zwischenfinanzierung durch die Bank einen Baustopp verhindern.

Kosten und Zinsen: Womit musst du rechnen?

Die Flexibilität einer Zwischenfinanzierung hat ihren Preis. Da die Laufzeiten kurz und der Verwaltungsaufwand für die Kreditinstitute relativ hoch ist, liegen die Zinsen meist etwas über dem Niveau klassischer Wohnbaufinanzierungen.

Zinsaufschläge bei kurzen Laufzeiten

Banken berechnen für kürzere Laufzeiten oft einen Zinsaufschlag. Während ein langfristiges Darlehen vielleicht bei 3,0 bis 4,0 % liegt, kann eine flexible Zwischenfinanzierung je nach Marktlage (z. B. Euribor-gebunden) etwas darüber liegen. Da du den Kredit jedoch meist nur für wenige Monate nutzt, bleiben die absoluten Zinskosten oft überschaubar.

Ein Vorteil: Da diese Kredite oftmals variabel verzinst sind, fallen in der Regel keine Vorfälligkeitsentschädigungen bei schneller Rückzahlung an.

Nebenkosten: Grundbucheintragung und Bearbeitungsgebühren

Vergiss nicht die Nebenkosten. Auch für einen Zwischenkredit verlangt die Bank Sicherheiten.

Grundbucheintragung: Oft wird ein „Pfandrecht“ auf die zu verkaufende Immobilie oder das neue Objekt eingetragen. Dies verursacht Notar- und Grundbuchkosten.

Bearbeitungsgebühren: Manche Institute verlangen eine einmalige Gebühr für die Einrichtung des Kontos oder die Objektbewertung.

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Zwischenfinanzierung Hauskauf

Konkretes Rechenbeispiel einer Zwischenfinanzierung

Um zu verstehen, wie du eine Zwischenfinanzierung berechnen kannst, betrachten wir folgendes Beispiel:

Familie Meier kauft ein neues Haus in Neusiedl am See für 600.000 €. Sie besitzen eine Eigentumswohnung in Bruck an der Leitha mit einem geschätzten Marktwert von 400.000 €, die noch verkauft werden muss. Sie benötigen die 400.000 € aus dem Verkauf als Eigenkapital für das neue Haus. Hier können nicht die ganzen 400.000 € als Eigenmittel für den Kreditbetrag angesetzt werden, sondern nur 60 bis 80 %. Es wird ein Risikoabschlag berücksichtigt; Spesen, Gebühren und ggf. auch die Zinsen für die gesamte Laufzeit. Annahme hier: Zinsen werden in der Zwischenfinanzierung berücksichtigt. 

Die Rechnung – Zwischenfinanzierung Hauskauf

Position

Betrag / Kondition


Kaufpreis neue Immobilie in Neusiedl am See (zzgl. Nebenkosten)


660.000 €


Benötigte Überbrückung (Wert alte Immobilie in Bruck an der Leitha inklusive Abschlag 40 %)


240.000 €

Restfinanzierung (langfristige Wohnbaufinanzierung)

420.000 €

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Voraussetzungen für die Bewilligung

Nicht jeder bekommt in Österreich einen Kredit zur Überbrückung beim Hauskauf. Die Banken prüfen streng, wir kennen die Bedingungen.

Objektbewertung der Bestandsimmobilie

Das A und O ist der realistische Verkaufswert deiner alten Immobilie. Die Bank wird eine konservative Objektbewertung vornehmen.

Wenn du glaubst, dein Haus sei 500.000 € wert, die Bank aber nur 400.000 € ansetzt, erhältst du auch nur eine Zwischenfinanzierung über den niedrigeren Betrag.

Ablauf: Schritt für Schritt zur Überbrückung

  1. Bestandsaufnahme: Ermittlung des Kapitalbedarfs und realistische Bewertung der zu verkaufenden Immobilie.
  2. Finanzierungsanfrage: Beantragung der Zwischenfinanzierung (oft in Kombination mit der Endfinanzierung für den Restbetrag bei derselben Bank).
  3. Kreditprüfung: Die Bank prüft die Unterlagen, Bonität und Objektwerte.
  4. Vertragsabschluss & Auszahlung: Nach Unterzeichnung und Bestellung der Sicherheiten (z. B. Grundbucheintragung) wird das Geld für den Kauf der neuen Immobilie ausgezahlt (Vorfinanzierung des Kaufpreises).
  5. Verkaufsphase: Du hast nun Zeit (meist bis zu 24 Monate), deine alte Immobilie zu verkaufen.
  6. Ablösung: Nach dem Verkauf fließt der Kaufpreis an die Bank, der Zwischenkredit wird getilgt.

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Vor- und Nachteile im Überblick

Bevor du dich für diesen Weg entscheidest, solltest du die Chancen und Risiken abwägen.

Vorteile

  • Zeitgewinn: Du kannst sofort zuschlagen, wenn du deine Traumimmobilie findest.
  • Besserer Verkaufspreis: kein Notverkauf unter Wert. Du kannst auf den richtigen Käufer warten.
  • Flexibilität: Jederzeitige Rückzahlung ist bei variablen Darlehen meist kostenlos möglich, was für Kreditnehmer von Vorteil ist.

Nachteile einer Zwischenfinanzierung und Risiken

  • Etwas höhere Zinsen: Die Kosten liegen über denen normaler Baufinanzierungen.
  • Doppelbelastung: Bei manchen Banken musst du die Zinsen des Zwischenkredits und ggf. Kosten der neuen Immobilie parallel stemmen.
  • Restschuldrisiko: Das größte Risiko besteht darin, dass die alte Immobilie nicht zum kalkulierten Preis verkauft wird.

Tipp: Du benötigst zwingend einen Plan B. Was passiert, wenn der Verkauf länger dauert oder weniger einbringt? Kalkuliere immer einen Sicherheitspuffer ein.

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Häufige Fragen zur Zwischenfinanzierung (FAQ)

Wie lange läuft eine Zwischenfinanzierung maximal?

Die maximale Laufzeit ist in der Regel auf 24 Monate begrenzt.

Kannst du eine Zwischenfinanzierung jederzeit zurückzahlen?

Ja, das ist einer der Hauptvorteile. Da diese Kredite meist variabel verzinst sind, kannst du den Kredit sofort ablösen, sobald der Verkaufserlös auf deinem Konto eingeht, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung („Pönale“) zu zahlen.

Was passiert, wenn du deine alte Immobilie nicht rechtzeitig verkaufst?

Wenn die Laufzeit endet und die Immobilie nicht verkauft ist, muss frühzeitig das Gespräch mit der Bank gesucht werden, damit gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden kann. Ein Zwischenfinanzierung-Hauskauf-Rechner hilft dir im Vorfeld, solche Szenarien mit Sicherheitsabschlägen durchzuspielen.

Wann lohnt sich eine Zwischenfinanzierung?

Eine Zwischenfinanzierung in Österreich lohnt sich für dich, wenn du kurzfristig Geld für eine neue Immobilie benötigst. Das Geld aus dem Verkauf deiner alten Immobilie ist aber noch nicht auf dem Konto. Sie dient als flexible Überbrückung. Damit sicherst du dir ein gutes Angebot, bevor deine langfristige Finanzierung oder dein eigenes Geld verfügbar sind. Die Zinsen sind meist höher. Deshalb ist sie ideal für kurze Zeiträume von bis zu zwei Jahren, bis dein festes Kapital bereitsteht.

Fazit zur Zwischenfinanzierung beim Immobilienkauf

Eine Zwischenfinanzierung ist ein mächtiges Werkzeug z. B. für den nahtlosen Immobilienwechsel, erfordert aber eine kühle Kalkulation und realistische Erwartungen an den Verkaufserlös deiner bestehenden Immobilie. Lass dich umfassend beraten, um Nachteile beim Immobilienverkauf zu minimieren und die Brücke ins neue Eigenheim sicher zu überqueren.

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Dr. Martin Sachslehner
Dr. Martin Sachslehner

Ist Geschäftsführer der finaplus Finanzberatungs GmbH in Neusiedl am See und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Finanzbereich. Seine Karriere begann 1999 in einer niederösterreichischen Regionalbank und führte ihn über zahlreiche Management- und Fachausbildungen zu zwei Geschäftsführer- bzw. Vorstandspositionen, die er von 2016 bis 2021 innehatte. Mit der Gründung von finaplus im Jahr 2021 schuf er ein unabhängiges Beratungsnetzwerk, das sich ausschließlich an den Bedürfnissen der Kunden orientiert. finaplus arbeitet mit zahlreichen Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum zusammen und wurde 2024 und 2025 vom IMWF Austria als „Top Finanzberater“ ausgezeichnet.

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